Kredit trotz Schufa und Hartz 4 beantragen

Zunächst erscheint ein solches Ansinnen als völlig utopisch. Denn wenn Banken Kredite vergeben, wollen sie zuerst Sicherheiten, dass sie das geliehene Geld plus Zinsen auch wiederbekommen. Allerdings gilt der Hartz 4 -Satz offiziell als eine Art Grundsicherung bzw. es ist das staatliche zugesicherte Existenzminimum, das jemand benötigt um noch gerade noch so Leben zu können. Ein wesentliches Merkmal dieser Grundsicherung ist, dass es nicht pfändbar ist, ganz gleich welche finanziellen Ausstände der Empfänger noch zu zahlen hat. Wenn jemand Hartz 4 bewilligt bekommt, dann erhält er diese staatliche Unterstützung auch nur, wenn er selbst über keine genügenden eigene Sicherheiten oder Rücklagen verfügt um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Wenn also die oben erwähnten Punkte berücksichtigt werden, spielt im Zusammenhang einer Kreditvergabe, ein zusätzlicher negativer Schufa-Wert nur noch eine unbedeutende Nebenrolle. Aus diesem Grund werden die meisten seriösen Kreditinstitute diesem Ansinnen, wegen solcher fehlenden Sicherheiten, ablehnend gegenüber stehen. Ja, sie „müssen“ ihn sogar ablehnen.

Eine gewisse Vorsicht ist deshalb solchen Finanzberatern oder Webseiten entgegenzubringen, die etwas anderes versprechen. Denn in den meisten Fällen stecken hinter den so verlockenden Lösungen, ein unseriöses Geschäftsmodell oder zumindest eines, welches nicht so schnell durchschaubar ist. Einige dieser Anbieter arbeiten mit ausländischen Banken zusammen, für die ein negativer Schufa-Eintrag keine Rolle spielt. Aber Achtung! Diese Banken haben auch andere Rückzahlungsmodalitäten und Geschäftsbedingungen als deutsche Banken. Wieder andere verbinden einen Kreditantrag mit einem Hausbesuch oder offerieren ihre Angebote nur per Nachnahme. Dies sind alles Zusatzkosten, die der Hilfesuchende selbst dann zu zahlen hat, wenn kein Kreditvertrag abgeschlossen wird. Eine andere beliebte Methode ist das Koppeln eines Kreditvertrages mit zusätzlichen, aber unnötigen Versicherungen. Diese Anbieter nutzen lediglich die prekäre Lage des Hilfesuchenden kaltblütig aus, wohl wissend dass sich dieser nur sehr eingeschränkt oder gar nicht juristisch wehren kann.

Die erste Anlaufstelle im Falle eines Darlehengesuches sollte zunächst immer das jeweilige zuständige Jobcenter sein. Denn wenn kostenintensive Anschaffungen nachweislich geltend gemacht werden können, die nicht vom Regelsatz gedeckt werden, kann das Jobcenter einen sogenanntes zinsloses Hartz 4-Darlehen vergeben. Dies ist allerdings eine Maßnahme, den die Jobcenter gerne etwas unter Verschluss halten. Aber laut § 23 Abs. 1 SGB II (Sozialgesetzbuch) kann ein Hilfsbedürftiger in Notfällen beim Jobcenter ein Darlehen beantragen, der entweder dann als Geldleistung in Höhe der Anschaffungskosten oder als bloße Sachleistung ausgezahlt werden kann.

Der Antragsteller muss gemäß SGB II aber zunächst einen dringenden Bedarf nachweisen. Wenn dieser weder aus eigener Kraft oder noch durch eigene Rücklagen finanziert werden kann, dann erst kommt das Darlehen zur Auszahlung. Aber wie lässt sich ein solcher Bedarf nachweisen? Zudem verfügen die Sachbearbeiter hier über einen sehr weit ausgelegten Ermessensspielraum, inwieweit ein lebensnotwendiger Bedarf aussehen kann. Ein Kühlschrank beispielsweise mag zwar noch lebensnotwendig sein, aber wie sieht es beim Fernsehgerät aus? Reicht ein altes Röhrengerät oder gibt es ein Anrecht auf ein Plasmagerät? Oder ist hier ein Radio völlig ausreichend? Dies zu entscheiden, obliegt letztendlich völlig der Entscheidungsbefugnis des zuständigen Sachbearbeiters. Das kann selbst dann gelten, wenn wegen einer säumigen Stromnachzahlung eine Stromsperre droht oder bei etwaigen Mietschulden. Im Falle des Letzt genannten Beispiels wird ein Darlehen meist erst dann gewährt, wenn wegen Mietrückständen die Wohnungsräumung und damit eine Obdachlosigkeit droht.

Es kommt somit nicht nur auf den tatsächlichen Bedarf an, sondern auch auf die Einsicht des jeweiligen Sachbearbeiters. Aber dennoch sollte man sich hiervon nicht abschrecken lassen, denn ein Jobcenter-Darlehen ist in begründeten Fällen das gute Recht eines jeden Hilfsbedürftigen. Unberechtigte erscheinende Entscheide können zudem vollkommen risikolos und kostenfrei juristisch angegangen werden. Denn auch ein Hartz 4-Empfänger besitzt das verbürgte gesetzliche Recht, diese einzufordern und notfalls vor Gericht zu Klagen. Die Rückzahlung eines vom Jobcenter gewährten Darlehens geschieht vollkommen automatisch, in dem maximal 10 Prozent vom Regelsatz pro Monat einbehalten wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.